Vereinsmanifest Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2026
Zweck: Das Manifest definiert die Swiss Digital Commons Association als Hüter, Koordinator und Vertrauensrahmen für autonome digitale Infrastruktur — nicht als Plattform-Eigentümer oder kommerziellen Vermittler.

Manifest der Swiss Digital Commons Association

Förderung und Pflege autonomer digitaler Gemeingüter

Die Swiss Digital Commons Association besteht, um autonome, dezentrale und transparente digitale Infrastruktur als Schweizer digitale Gemeingüter zu fördern und zu pflegen. Der Verein versteht sich als Hüter, Koordinator und Vertrauensrahmen — nicht als Eigentümer, Betreiber oder kommerzieller Vermittler der von ihm geförderten Infrastruktur.

Viele Initiativen verbinden Schlagworte wie dezentral, Open Source, Community, souverän oder föderiert — organisatorisch enden sie jedoch häufig als Unternehmen, mit zentralisiertem Hosting, proprietären Diensten oder verdeckter Kontrolle. Die Swiss Digital Commons Association ist so aufgebaut, dass folgende Elemente konsequent in Einklang gebracht werden:

  • Infrastruktur,
  • Governance,
  • Lizenzmodell,
  • Vertrauen,
  • und Betrieb.

Drei Leitprinzipien

1. Autonomie der Infrastruktur

Der Verein folgt nicht dem Grundsatz «der Verein besitzt das Netzwerk», sondern:

Der Verein schützt Prinzipien und Koordination, doch die Infrastruktur lebt autonom durch ihre Teilnehmenden.

Damit stellt sich die Arbeit des Vereins in die Tradition von:

  • Internet-Prinzipien,
  • föderierten Systemen,
  • freien Netzwerken,
  • digitalen Gemeingütern.

Der Verein wirkt als Hüter, Koordinator und Vertrauensrahmen — niemals als Plattform-Eigentümer.

2. Transparenz als Grundlage des Vertrauens

Der Verein ersetzt Markenvertrauen, Unternehmensvertrauen und «Vertraut uns»-Modelle durch überprüfbare Offenheit.

Für den Verein dienen OSI-anerkannte Copyleft-Lizenzen mit starken Netzwerk-Nutzungsklauseln als Transparenzlizenzen — gewählt, um die vollständige Offenlegung jedes Mitgliedsbeitrags zur geförderten Infrastruktur zu erzwingen. Die GNU Affero General Public License v3 (AGPLv3), die für das erste geförderte Projekt verwendet wird, verpflichtet jeden Node-Betreiber, den vollständigen entsprechenden Quellcode seiner Node-Software — einschliesslich aller Modifikationen — den Nutzenden des Dienstes zugänglich zu machen. Der Betrieb eines Nodes ist damit kein privater Akt, sondern ein öffentlicher, überprüfbarer Beitrag.

So wird die Lizenz selbst zum Vertrauensmechanismus: föderierte Infrastruktur wird von aussen überprüfbar, und Vertrauen entsteht ohne zentrale Instanz.

3. Trennung von Autorschaft und Governance

Der Verein trennt bewusst:

  • geistiges Eigentum,
  • Infrastruktur,
  • Governance,
  • Betrieb.

Diese Trennung verhindert typische Open-Source-Fallstricke — etwa dass eine Stiftung alles übernimmt, die Community ihren Einfluss verliert, später IP-Konflikte entstehen oder eine stille Kommerzialisierung einsetzt. Das Ergebnis ist ein Ökosystem statt eines Produkts.

Geförderte Projekte

Die Prinzipien dieses Manifests werden in den vom Verein geförderten Projekten konkret — beschrieben auf der Projektseite. Weitere Projekte, die diese Prinzipien verkörpern, können künftig durch Beschluss der Mitgliederversammlung als geförderte Projekte aufgenommen werden.

Positionierung

Der Verein strebt nicht an, «das nächste GitHub» oder eine andere kommerzielle Plattform zu bauen. Er will Folgendes ermöglichen:

überprüfbare, autonome und gemeinschaftlich getragene digitale Infrastruktur.

Im europäischen Kontext könnte sich dies langfristig als relevanter erweisen als VC-finanzierte Forge- oder Plattformprojekte.

Herausforderungen

Die zentralen Herausforderungen liegen nicht in der Technik, sondern in:

  • langfristiger Governance,
  • Konfliktlösung,
  • Vertrauen zwischen Node-Betreibern,
  • Sicherheitsstandards,
  • und der Verhinderung informeller Machtzentren.

Selbst dezentrale Systeme entwickeln häufig:

  • soziale Zentralisierung,
  • Maintainer-Eliten,
  • Infrastruktur-Abhängigkeiten.

Deshalb ist der Fokus auf Transparenz, Offenlegung, autonome Nodes und einen gemeinnützigen Zweck keine Stilfrage, sondern eine strukturelle Notwendigkeit.

Verwandte Ideale

Die Arbeit der Swiss Digital Commons Association steht in einer Tradition gemeinsam mit:

  • den frühen Idealen des Internets,
  • freien Netzwerken,
  • genossenschaftlichen Modellen,
  • Fediverse-Prinzipien,
  • Commons-Governance.

Verbunden mit einem modernen Governance- und Compliance-Konzept, das schweizerische Qualitäts- und Herkunftsstandards einbezieht.